Bombe liegt 69 Jahre in der Ausfahrt

 

Sydower Fließ (MOZ) Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Montag entschärft worden. Der Sprengkörper russischer Bauart war auf dem Gehöft von Spargelbauer Giese bei der Vorbereitung von Pflasterarbeiten entdeckt worden. Gegen 10 Uhr war die Gefahr vorüber.

 

Geschafft: Einsatzleiter Hauptbrandmeister Roman Wieloch (l.) und Jens Simon vom Kampfmittelbeseitigungsdienst nach der Entschärfung der 100-Kilo-Bombe auf dem Hof von Bauer Jürgen Giese.
Geschafft: Einsatzleiter Hauptbrandmeister Roman Wieloch (l.) und Jens Simon vom Kampfmittelbeseitigungsdienst nach der Entschärfung der 100-Kilo-Bombe auf dem Hof von Bauer Jürgen Giese.
© MOZ/Sergej Scheibe
 

Mit nur etwa zehn Zentimeter Erde bedeckt, lag das 100-Kilogramm-Monstrum mit 30 Kilogramm Sprengstoff mitten auf der Ausfahrt, die hinter der Scheune des Spargelbauern auf das Feld führt. Bis vor wenigen Tagen sind dort Traktoren und Mähdrescher und zuletzt auch der 45-Tonnen schwere Lkw mit dem Schotter zur Befestigung der Ausfahrt drüber gerollt.

Beim Ausbaggern der Einfahrt, sie soll gepflastert werden, war die Bombe am Donnerstagnachmittag entdeckt worden. "Sie lag schon auf der Schaufel des Baggers", berichtete Spargelbauer Jürgen Giese. Trotzdem habe er die Nächte bis zur Entschärfung am Montag gut geschlafen, auch wenn die Entfernung zur Bombe nur etwa 50 Meter betrug. "Wir sind genauestens aufgeklärt worden, wie wir uns verhalten müssen, so dass keine Gefahr besteht", sagte er. Jens Simon vom Kampfmittelbeseitungsdienst habe das wirklich alles sehr gut erklärt.

Gegen 10 Uhr war die Bombe, die zwei Aufschlagzünder hatte, entschärft. Der Hofeigentümer und die Presse durften nun den Hof betreten. Der Sprengkörper war bereits gut gepolstert im Heck des Transporters vom Kampfmittelbeseitigungsdienst platziert. Auf die Frage, wie schwer der Fall war, scherzte Simon: "Meine Bomben kriege ich immer weg." Ernsthaft fügte er an: "69 Jahre Rost. Mehr muss ich nicht sagen." Er arbeitete mit Rostlöser, aber auch manuell, um an die Zünder zu kommen. Dem 53-Jährigen ist die Erleichterung nach der angespannten Arbeit anzumerken. Eine Explosion hätte nicht nur die Gebäude des Hofes zerstört. Auch alle Fenster des Ortes wären geborsten, schätzt der Experte ein. Weil sich die Gefahrenquelle mitten in Tempelfelde befand, musste der gesamte Ort evakuiert werden.

Jürgen Giese ist froh, dass alles so gut geklappt hat. Er dankte allen Einsatzkräften, dem Bürgermeister und allen Menschen im Dorf. Manche seien zu Verwandten gefahren, andere hätten den Tag genutzt, um in Polen einzukaufen. Wer keine Ausweichmöglichkeit hatte, konnte in die Grundschule Grüntal kommen. Darunter war auch die 87-jährige Käthe Born, die im Krieg viel erlebt hat und jetzt ihr ganzes Vertrauen in Jens Simon setzte. "Der ist Spezialist, der muss das doch können", hoffte sie. Acht Erwachsene und ein Kleinkind hatten sich in der Mensa der Grundschule eingefunden.

Zum großen Teil waren sie mit dem Rettungsbus des Landkreises dort hingefahren worden. Der ist erst vor etwa zwei Wochenin Dienst gestellt worden und hatte jetzt seinen ersten Einsatz, informierte Wolfgang Arlt, Erster Polizei Hauptkommissar und Einsatzleiter für die Polizeikräfte. Aus Sicht der Polizei sei alles gut gelaufen. Er lobte auch die Amtsverwaltung Biesenthal-Barnim, die eine hervorragende Arbeit geleistet habe. Sie hat dafür gesorgt, das sich Rettungskräfte der DLRG um die Evakuierten kümmerten, dass die Tempelfelder Kita in den Hort Grüntal umziehen konnte und die Feuerwehr zusammen mit dem Polizei die Häuser kontrollierte und auch die Letzten rechtzeitig überzeugte, ihr Haus zu verlassen.

 

Quelle: MOZ